Hamburger Schüler greifen immer häufiger zum Spaten – und nicht etwa, weil sie etwas falsch gemacht haben. Sie pflanzen Bäume im Rahmen des internationalen Programms Plant-for-the-Planet, das in die lokale Bildung nicht als einmalige Aktion, sondern als vollwertige Umweltinitiative mit Vorträgen, Projekten und neuen Rollen für Kinder eingezogen ist. Die Stadt entwickelt seit langem eine schulische Klimapolitik, und nun sind auf dieser Plattform auch „Botschafter“ aufgetaucht – Teilnehmer von Akademien, die sich für Klimagerechtigkeit einsetzen. Interessant ist, dass diese Geschichte Raum für gesellschaftliche Verantwortung, schulische Autonomie und sogar Kritik bietet. Worüber schweigen die leuchtenden Berichte über Baumpflanzungen? Und welche realen Veränderungen bringt dieses Programm den Schulen Hamburgs? Antworten darauf finden Sie auf hamburgname.eu.
Was ist Plant-for-the-Planet und wie funktioniert es in Deutschland
Diese Geschichte begann mit einer Schulpräsentation: Im Jahr 2007 schlug der neunjährige Felix Finkbeiner aus Bayern vor, Bäume zu pflanzen, um CO₂-Emissionen zu kompensieren. Seitdem hat sich die Initiative zu einer internationalen Organisation mit Büros, Stiftungen, Unternehmenspartnern und dem offiziellen Ziel entwickelt, eine Milliarde neuer Bäume weltweit zu pflanzen. In Deutschland hat Plant-for-the-Planet eine besondere Zielgruppe: Kinder zwischen 9 und 14 Jahren, die eintägige Akademien absolvieren und den Titel „Botschafter für Klimagerechtigkeit“ erhalten.
Bei diesen Veranstaltungen setzen sich die Schüler mit den Ursachen der globalen Erwärmung auseinander, lernen öffentlich über Klimaprobleme zu sprechen, diskutieren die Rolle der Bäume bei der Kohlenstoffbindung – und pflanzen natürlich die ersten jungen Bäume. Aktive Teilnehmer können später eigene Projekte ins Leben rufen, Präsentationen in anderen Schulen halten und sogar auf Konferenzen auftreten. Nach Angaben der Organisation selbst haben in Deutschland bereits Zehntausende Kinder das Programm durchlaufen. All dies wird als Möglichkeit dargestellt, bei Schülern die Bereitschaft zum Handeln zu wecken – und sei es nur im Rahmen eines kleinen städtischen Beetes.
Allerdings ist das Modell nicht perfekt. In der Öffentlichkeit tauchen von Zeit zu Zeit Fragen zur Effizienz der Pflanzungen und zur Transparenz der Berichterstattung auf – wie viele Bäume genau gepflanzt wurden und wo. Aber auf Schulebene bleibt dies immer noch eines der wenigen Formate, das Umweltthemen mit der aktiven Beteiligung der Kinder selbst verbindet. Und was wichtig ist, es ist bundesweit aktiv, einschließlich der Millionenstädte.
Hamburg Climate Schools und die Rolle von Plant for the Planet in der städtischen Strategie

Hamburg ist kein Neuling in der Klima-Bildung. Bereits seit 2010 gibt es das städtische Programm Hamburg Climate Schools, das Hunderte von Einrichtungen zusammenfasst, die sich freiwillig verpflichten, den CO₂-Fußabdruck der Schule zu reduzieren und Umweltprogramme umzusetzen. Vielleicht denken Sie: „Solche Programme kennen wir. Sie stellen ein Schild mit der Aufschrift ‚Licht ausschalten‘ auf – und sind zufrieden.“ Aber hier ist es anders. Hier kann zum Beispiel die Dämmung von Gebäuden bis hin zu Kursen in Klimatologie reichen. Einige Schulen haben sogar eigene Photovoltaikanlagen oder Kompostierungsplätze. Im Jahr 2025 erhielten fast 100 Bildungseinrichtungen der Stadt die Auszeichnung „Klimaschule“.
Auf diesem Hintergrund erscheint Plant-for-the-Planet als logische Ergänzung – eine Art externe Ressource, die Schulen in ihre Programme integrieren können. Formal ist die Initiative kein Teil der staatlichen Politik, erhält aber sowohl durch lokale Stiftungen als auch von Unternehmen Unterstützung. Die Finanzierung der Veranstaltungen ist übrigens oft kombiniert: einen Teil steuern die Schulen bei, einen Teil die Partner.
Und Plant-for-the-Planet hat noch einen attraktiven Bonus – eine eigene Schokolade. Ja, sie heißt „Die Gute Schokolade“ und wird mit der Botschaft verkauft, dass die Einnahmen aus dem Verkauf für das Pflanzen von Bäumen verwendet werden. In einigen Hamburger Schulen verkaufen die Schüler diese Tafel selbst – als Element des bewussten Konsums und als Möglichkeit, zukünftige Akademien zu unterstützen. Die Umweltbildung geht hier also über das Lehrbuch hinaus und gelangt sogar… in die Cafeteria.
Akademien in Hamburger Schulen: Wie läuft das ab?

Wenn man sich einen typischen Tag der Plant-for-the-Planet Academy vorstellt, ist es eine Mischung aus Unterricht, Workshop und einer Schnitzeljagd an der frischen Luft. Alles beginnt mit einer interaktiven Vorlesung – ohne belehrenden Ton, mit einfachen Beispielen, die den Treibhauseffekt, das globale Ungleichgewicht und die Bedeutung von Bäumen erklären. Es folgen Teamspiele, Planung eigener Minikampagnen, manchmal das Erstellen von Plakaten oder das Üben eines öffentlichen Vortrags. Und zum Abschluss – geht es nach draußen mit Setzlingen.
In Hamburg wurden solche Akademien bereits mehrfach durchgeführt. Zum Beispiel organisierte Plant-for-the-Planet im September 2025 eine Veranstaltung an der Astrid-Lindgren-Grundschule. Etwa 35 Schüler durchliefen an einem Tag alle Phasen der Akademie und pflanzten anschließend mehrere junge Bäume auf dem Schulgelände. Es scheint eine Kleinigkeit zu sein, aber für die Teilnehmer ist es die Möglichkeit, ein konkretes Ergebnis zu hinterlassen – mit Erde unter den Fingernägeln und dem Gefühl, wirklich etwas getan zu haben.
Die Vorbereitung der Akademie liegt in der Regel in den Händen der Lehrer oder der Schulleitung. Sie reichen einen Antrag über die Website der Organisation ein, stimmen Datum und Ort ab, helfen bei der Logistik. Am besten funktioniert es jedoch dort, wo echtes Interesse besteht: in Schulen, in denen die Lehrer selbst bereit sind, Zeit zu investieren, und die Schüler keine passiven Zuhörer, sondern Mitorganisatoren des Prozesses sind.
Probleme, Kontroversen und reale Ergebnisse

Trotz des sympathischen Bildes – Kinder, Bäume, Sonne – hat die Initiative Plant-for-the-Planet ihre Schwachstellen. Die lautstärkste Kritik betrifft die Bilanzierung: Die Organisation wurde wegen unklarer Berichterstattung über die Anzahl der gepflanzten Bäume und deren Überlebensrate kritisiert. In offenen Quellen sind Milliarden-Pläne zu finden, aber es fehlt an konkreten Angaben zu den einzelnen Ländern oder Projekten. Im städtischen Kontext ist dies besonders auffällig: Bäume im Zentrum Hamburgs werden nicht einfach so gepflanzt, dafür braucht es Genehmigung, Platz, Pflege. Und vor allem – Zeit, die Schüler ohnehin knapp haben.
Ein weiterer Punkt ist das Aufziehen der gepflanzten Bäume, denn es stellt sich die Frage: Wer kümmert sich um sie? In einigen Schulen werden Eltern oder Hausmeister der Grundstücke in die Verantwortung genommen, aber das ist nicht überall realistisch. Ein Teil der Projekte beschränkt sich auf eine symbolische Aktion, die auf Fotos gut aussieht, aber langfristig, offen gesagt, keinen Nutzen bringt.
Aber auch Positives ist reichlich vorhanden. Lehrer berichten, dass Kinder nach den Akademien beginnen, mehr Fragen zu stellen, sich für Umweltnachrichten zu interessieren, sogar zu Hause über Verpackungen zu streiten. In diesem Sinne Plant-for-the-Planet wirkt als Katalysator, nicht als abgeschlossene Umweltaktion. Das Programm wird die Welt insgesamt kaum verändern, aber es kann Veränderungen in einer bestimmten Schule anstoßen.
Warum solche Initiativen unterstützt werden sollten (und wie man sich beteiligen kann)

Plant-for-the-Planet ist kein Allheilmittel gegen Umweltprobleme, aber auch keine symbolische Dekoration. Es bietet Schulen ein Werkzeug, damit nicht alles bei bloßen Versprechungen bleibt. Mithilfe der Akademien kann man das Umweltthema buchstäblich anfassen – mit den Händen in der Erde. Und mag dies auch nicht das CO₂-Emissionsproblem lösen, so entwickelt es doch das Umweltbewusstsein, über das so viel geredet, aber so selten praktisch gelehrt wird.
Eine Schule, die eine Akademie durchführen möchte, kann sich auf der Website der Organisation bewerben. Eine Liste der Teilnehmer wird erstellt, Materialien vorbereitet, der Pflanzort abgestimmt. Oft finden die Akademien in Zusammenarbeit mit lokalen Stiftungen oder sogar kommunalen Diensten statt, die Bäume und Ausrüstung bereitstellen. Das ist nicht kompliziert, erfordert aber Initiative – seitens der Pädagogen und – wünschenswerterweise – der Eltern.
Es gibt auch andere Möglichkeiten zur Beteiligung: die erwähnte „Gute Schokolade“ kaufen, Informationen verbreiten, finanziell unterstützen. Aber die beste Option ist, den Lehrer Ihres Kindes zu fragen, ob die Schule von diesem Programm gehört hat. Denn das kann der Anstoß für solch gute Aktionen wie grüne Korridore sein. Und dann wird die Notwendigkeit an medizinischer Versorgung, selbst für Flüchtlinge aus anderen Ländern, geringer sein.
