Park · Hamburg · ⭐ 9.1/10 · 3359 Bewertungen · aktualisiert: 2026-08-04 15:55:39
Adresse: Am Kleinen Dahlen 1A, 21077 Hamburg, Deutschland
Harburger Stadtpark — Volkspark rund um den Außenmühlenteich
Im Süden Hamburgs liegt eine Grünanlage, die jede gewohnte Vorstellung von Stadtpark sprengt: rund 90 Hektar Fläche, davon knapp 26 Hektar offenes Wasser, dazu über sechzehn Kilometer Wege, ein eigener Schulgarten mit Baumsammlung, eine Freilichtbühne für etwa 900 Zuschauer und ein See, der bereits im 16. Jahrhundert für eine Wassermühle aufgestaut wurde. Der Harburger Stadtpark ist kein Schmuckstück zum Anschauen, sondern eine Gebrauchslandschaft: Hier wird gelaufen, gepaddelt, gegrillt, Theater gespielt und Vögel beobachtet — oft alles gleichzeitig, ohne dass es eng wird. Wer den Norden Hamburgs kennt und den Süden nicht, unterschätzt diesen Park regelmäßig.
Höhepunkte
- Außenmühlenteich — mit 25,9 Hektar Wasserfläche das prägende Gewässer der Anlage. Aufgestaut wurde es im 16. Jahrhundert für eine Wassermühle, ab 1890 diente es als Badeanstalt; heute führt ein rund drei Kilometer langer Rundweg am Ufer entlang, auf dem im Sommer auch Kanupolo-Turniere zu beobachten sind.
- Schulgarten — seit 1933 auf etwa acht Hektar im nordwestlichen Parkteil: ein Apothekergarten mit Arznei-, Gewürz- und Küchenkräutern, Themengärten zu Mittelalter, Renaissance, Barock und Jugendstil, ein Rosengarten mit Pavillon sowie ein Blindengarten mit Hochbeeten und Braille-Tafeln zum Ertasten und Erriechen. Eine Sichtachse führt vom Garten hinunter zum See.
- Dendrologische Sammlung — mehr als 80 Bäume seltener Arten auf dem Gelände des früheren Schulgartens, darunter Pagoden-Hartriegel, Scheinbuche, Amberbaum und Ginkgo, jeweils beschildert und damit für Laien lesbar.
- Freilichtbühne — ein in eine Geländesenke gebautes Amphitheater mit terrassierten Sitzstufen für etwa 900 Zuschauer, von hohen Hecken gerahmt. 2014 saniert, im Juni 2019 mit einer neuen, geschwungenen Dachkonstruktion wiedereröffnet.
- Alter Haupteingang von 1926 — eine dreiteilige Backsteintoranlage mit vorgelagerter Terrasse, 2017 nach historischem Vorbild instand gesetzt und 2018 mit dem Denkmalpreis des Museumsvereins Harburg ausgezeichnet; bei der Verleihung waren Nachfahren des Parkschöpfers anwesend.
- Denkmäler und Skulpturen — der Ludowieg-Brunnen, 1909 von Rudolf Kolbe für Oberbürgermeister Julius Ludowieg entworfen und in Dresden gefertigt; die Büste Georg Hölschers von Ernst Küster aus dem Jahr 1935; ein Findling aus der Lüneburger Heide als Beethoven-Gedenkstein zum hundertsten Todestag des Komponisten; dazu der „Gepard“ von Hans Martin Ruwoldt aus dem Jahr 1965 und Arbeiten von Hubert Kiecol und Winni Schaak aus dem Programm Kunst im öffentlichen Raum.
Was dich erwartet
Der Park zerfällt in zwei Charaktere. Der ältere westliche Teil ist bewegt, hügelig und waldartig, mit Höhenunterschieden von stellenweise bis zu dreißig Metern über dem Seespiegel — für Hamburger Verhältnisse eine kleine Sensation. Der südliche Teil, zwischen 1985 und 1987 erweitert, ist stiller, feuchter und naturnäher: Bachläufe, Feuchtwiesen, Röhricht. Untergrund ist überwiegend Löss und Flottsand, jener Boden, der der umgebenden Marmstorfer Flottsandplatte ihren Namen gab und den Park als Landschaftsschutzgebiet ausweist.
- Ein Wegenetz von über sechzehn Kilometern Gesamtlänge, vom befestigten Uferweg bis zum schmalen Waldpfad
- Eine vermessene Laufrunde von etwa 3.200 Metern um den See, dazu mehrere Trimm-Dich-Geräte entlang der Waldwege
- Mehrere Spielplätze: ein großes Piratenschiff am Ufer beim Bootshaus, ein weitläufiger Wasserspielplatz mit mehreren Handpumpen und ein Spielplatz beim Schulgarten
- Ausgewiesene Sonderflächen — eine Grillwiese im südlichen Bereich, eine Hundewiese auf Marmstorfer Seite und ein von Hecken gerahmter Tanzplatz unterhalb des Schulgartens
- Bootsverleih mit Gastronomie am Ostufer und ein Restaurant am Nordufer
- Das ganzjährig geöffnete Frei- und Hallenbad MidSommerland auf der Ostseite, eine eigenständige Einrichtung mit eigenem Eintritt
Was man unternehmen kann — und für wen
- Läuferinnen und Läufer — die Seerunde ist mit rund 3.200 Metern exakt vermessen und flach genug für Tempotraining; wer Höhenmeter sucht, hängt eine Schleife durch den hügeligen Westteil an. Einmal im Jahr wird daraus der 3,84 Kilometer lange Außenmühlenlauf.
- Familien mit Kindern — Piratenschiff, Wasserspielplatz und Bootsverleih liegen so beieinander, dass ein ganzer Nachmittag ohne Ortswechsel funktioniert; der Wasserspielplatz mit seinen Pumpen ist an heißen Tagen der meistfrequentierte Punkt des Parks.
- Gartenfreunde — der Schulgarten führt Gartenkunst von Mittelalter bis Jugendstil in begehbaren Beispielen vor, der Heckengarten zeigt Schnittformen im Vergleich, und die dendrologische Sammlung ergänzt das Ganze um über achtzig seltene Gehölze.
- Vogelbeobachter — im ruhigen Süden sind Zwergtaucher, Gänsesäger und Krickenten regelmäßig zu sehen, mit Glück auch der Eisvogel; der Naturschutzbund Hamburg, Gruppe Süd, bietet im Frühjahr und Spätsommer Führungen an, unter anderem zu den fünf hier nachgewiesenen Fledermausarten.
- Theater- und Konzertpublikum — die Freilichtbühne zeigt von Lesungen über Puppentheater bis zu Musikabenden ein wechselndes Programm unter freiem Himmel; für nichtkommerzielle Zwecke lässt sie sich auch anmieten.
- Menschen mit Mobilitätseinschränkungen — der Uferbereich ist überwiegend barrierefrei ausgebaut, eine Rampe erschließt den Zugang von der Schulgartenseite; nur die Aussichtspunkte im Hang erfordern Stufen.
Anfahrt & Praktisches
Der Park liegt im Bezirk Hamburg-Harburg auf dem Gebiet der Stadtteile Wilstorf und Marmstorf, südlich des Harburger Zentrums und damit südlich der Elbe. Vom S-Bahnhof Harburg sind es wenige Minuten mit dem Bus oder gut zwanzig Minuten zu Fuß; die Buslinien 145, 245 und 345 bedienen Haltestellen wie Rabenstein und Kirche Marmstorf direkt am Parkrand, die Linie 146 hält an der Haltestelle Freizeitbad MidSommerland auf der Ostseite. Wer aus der Harburger Innenstadt kommt, erreicht den Park zu Fuß über den alten Harburger Friedhof, der heute selbst als Grünanlage genutzt wird und Park und Phoenix-Viertel miteinander verbindet. Der Eintritt ist frei, die Anlage ist als öffentliche Grünfläche rund um die Uhr zugänglich, beleuchtet sind allerdings nur die Hauptwege. Öffentliche Toiletten gibt es im Uferbereich. Für eine Seerunde mit Abstecher in den Schulgarten reichen anderthalb Stunden; wer Freilichtbühne, Südteil und Baumsammlung mitnimmt, ist gut drei Stunden unterwegs — mit Bootsfahrt, Bad und Grillpause füllt der Park einen ganzen Tag.
Wann besuchen
Der Frühling gehört dem Schulgarten und dem Süden: Die Themengärten werden bepflanzt, auf der Orchideenwiese im Dahlengrund treibt das Breitblättrige Knabenkraut aus, und die heimischen Brutvögel sind auf dem Wasser am besten zu beobachten, solange das Ufer noch licht ist. Der Sommer verlagert alles ans Wasser — Bootsverleih, Wasserspielplatz, Kanupolo, die belegte Grillwiese und abends das Programm der Freilichtbühne; an heißen Wochenenden ist der Uferweg voll, die Waldwege im Westen dagegen erstaunlich leer. Der Herbst färbt den hügeligen Westteil und die dendrologische Sammlung durch: Amberbaum und Ginkgo liefern die spektakulärsten Farben, die Sicht über den See wird klarer, und die Laternenumzüge machen die frühe Dunkelheit zum Programmpunkt. Im Winter friert der Außenmühlenteich in kalten Jahren zu und wird zur inoffiziellen Eisfläche der Harburger; die kahlen Kronen legen die Wegeführung der 1920er-Jahre und die alten Sichtachsen wieder frei, und auf dem Wasser rasten Gänsesäger und Zwergtaucher.
Gut zu wissen
Die Geschichte des Parks beginnt nicht mit einem Fürsten, sondern mit einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme. Ab 1913 ließ die damals noch selbstständige Stadt Harburg das Gelände rund um den Außenmühlenteich herrichten; Motor der Arbeiten war ein Beschäftigungsprogramm für Notstandsarbeiter, das der spätere Harburger Oberbürgermeister Walter Dudek vorantrieb. Konzipiert wurde die Anlage vom preußischen Gartenbaudirektor Georg Hölscher, nach dessen Tod im Jahr 1932 sein Sohn Ferdinand Hölscher die Pläne weiterführte. 1926 wurde der Park offiziell eröffnet — zu einer Zeit, als Wilstorf und Marmstorf noch zu Harburg gehörten; erst das Groß-Hamburg-Gesetz machte sie 1937 zu Hamburger Stadtteilen. 1933 kam der Schulgarten hinzu, 1950 wurden ein ehemaliges Fabrikgelände und angrenzendes Privatland eingegliedert, 1953 folgte ein Umbau im Vorfeld der Internationalen Gartenbauausstellung, und zwischen 1985 und 1987 wuchs der Park südlich des Teiches noch einmal deutlich. Der Bestand ist doppelt geschützt: als Gartendenkmal in der Denkmalliste und als Teil des Landschaftsschutzgebiets Marmstorfer Flottsandplatte. Ökologisch bemerkenswert sind die Feuchtbereiche im Süden — die Engelbek, die hier die Grenze zwischen Marmstorf und Wilstorf bildet, soll auf Betreiben des Naturschutzbundes seit Jahren renaturiert werden; nachgewiesen sind unter anderem Großer Abendsegler, Breitflügel-, Wasser-, Zwerg- und Rauhhautfledermaus.
Besuchertipps
- Der Schulgarten hat eigene Öffnungszeiten und ist nicht rund um die Uhr zugänglich — wer die Themengärten und den Blindengarten sehen will, plant ihn bewusst in die Runde ein statt spontan vorbeizuschauen.
- Für Fotos vom See lohnt der frühe Morgen an der Westseite: Dann steht die Sonne im Rücken, das Wasser liegt spiegelglatt, und die Wasservögel sind noch ungestört.
- Grillen ist nur auf der ausgewiesenen Grillwiese im südlichen Parkteil erlaubt — sie ist beschildert, und die Regel hält den Rest der Wiesen rauchfrei.
Fragen & Antworten
Wie groß ist der Harburger Stadtpark wirklich? Inklusive der Wasserflächen umfasst er rund 90 Hektar; allein der Außenmühlenteich bringt 25,9 Hektar davon ein. Das Wegenetz summiert sich auf über sechzehn Kilometer.
Kann man im Außenmühlenteich baden? Der Teich diente ab 1890 als Badeanstalt, diese Zeiten sind aber vorbei. Gebadet wird heute im Frei- und Hallenbad MidSommerland am Ostufer, das ganzjährig geöffnet ist; auf dem See selbst wird gerudert, gepaddelt und Kanupolo gespielt.
Wie lang ist die Runde um den See? Der Uferrundweg misst rund drei Kilometer, die ausgeschilderte Lauf- und Walkingstrecke etwa 3.200 Meter. Der jährliche Außenmühlenlauf geht über 3,84 Kilometer.
Was ist der Schulgarten und lohnt er sich für Erwachsene? Es ist eine seit 1933 bestehende gärtnerische Lehranlage von etwa acht Hektar. Für Erwachsene interessant sind vor allem die Themengärten zu vier Stilepochen, der Apothekergarten und der Heckengarten, der Schnittformen direkt vergleichbar nebeneinanderstellt.
Ist der Park barrierefrei? Überwiegend ja. Die Uferwege und der Bereich um den See sind breit ausgebaut, am Zugang von der Schulgartenseite gibt es eine Rampe. Die Aussichtspunkte und höher gelegenen Partien im hügeligen Westteil sind dagegen nur über Treppen und Stufen erreichbar.
Wer hat den Park entworfen? Der preußische Gartenbaudirektor Georg Hölscher; nach seinem Tod 1932 führte sein Sohn Ferdinand Hölscher die Planung fort. Eine Büste Georg Hölschers von Ernst Küster steht seit 1935 im westlichen Parkteil.
Darf man Hunde mitnehmen? Ja, im Stadtteil Marmstorf gibt es sogar eine ausgewiesene Hundewiese. In den Feucht- und Schutzbereichen im Süden, wo Wasservögel brüten, ist Rücksicht selbstverständlich.
Gibt es Veranstaltungen im Park? Regelmäßig. Das Harburger Außenmühlenfest, ein White Dinner, Laternenumzüge und das Sommerprogramm der Freilichtbühne mit Theater, Lesungen, Puppentheater und Musik gehören zum festen Jahreslauf.
Fotos






1 weitere Fotos anzeigen

Gästebewertungen
Bewertungen zuletzt aktualisiert: 2026-08-04 15:55:39
Die Daten werden monatlich aktualisiert. Quellen: hamburgname.eu sowie redaktionelle Auswahl anhand von Bewertungen.

Das ist ein toller Ort für Spaziergänge und Erholung zu jeder Jahreszeit
Seit einiger Zeit liebe ich diesen Ort, um einfach auszuruhen und die Natur zu genießen. Es beruhigt hier wirklich, den See zu betrachten und die frische Luft einzuatmen. Es sind nicht viele Leute hier. In der Nähe, fußl…
Ein sehr toller Park! Ein See, ein Spielplatz für Kinder, große Bäume, sehr viele Plätze zum Ausruhen.
Ein schöner, großer Park, ein schöner Ort zum Erholen, zum Grillen