Die HafenCity – das sind Beton, Glas, Stahlfassaden und gleichzeitig einer der ambitioniertesten städtischen Versuche, ein Gleichgewicht zwischen Urbanistik und Umwelt zu finden. Auf dem ehemaligen Hafengelände im Zentrum Hamburgs wächst ein Stadtteil mit dem Anspruch auf einen ökologischen Lebensstil – mit Parks, Dachgärten und einem eigenen Zertifizierungssystem für nachhaltiges Bauen. In diesem Artikel auf hamburgname.eu beleuchten wir, was hier wirklich ökologisch ist, wo mehr Marketing im Spiel ist und wo es noch Verbesserungsbedarf gibt.
HafenCity Hamburg: Neuer Stadtteil auf dem alten Hafengelände
Die Geschichte der HafenCity begann mit dem Betonknistern der Bagger auf den Überresten des alten Hamburgs – genauer gesagt, dessen Hafengebiet, das seine Blütezeit bereits im 20. Jahrhundert hinter sich hatte. Lagerhallen, Gleisanlagen, Flusskanäle verwandelten sich in eine jahrzehntelange Baustelle. All dies geschah, damit Hamburg einen Demonstrationsbereich für städtische Beispiele nachhaltiger Entwicklung erhält.

Im Senat wird es als „größtes innerstädtisches Entwicklungsprojekt in Europa“ bezeichnet. Und während die HafenCity auf touristischen Karten als weiteres Viertel mit Hotels und Terrassen an der Elbe aufleuchtet, ist sie in Wirklichkeit ein eigenständiges städtisches Labor. Hier wird eine neue Logik der Stadtplanung getestet: gemischte Nutzung, erhöhte Straßenniveaus zum Schutz vor Hochwasser, Priorität für Fußgänger, und vor allem – die Wette darauf, dass Natur und Stadt in einem einzigen urbanen Block koexistieren können.
Dieser Ehrgeiz zeigt sich selbst in Details: Zum Beispiel gibt es in der HafenCity keine klassischen Parkplätze im Innenhof – stattdessen gibt es Tiefgaragen, Elektromobilität, öffentlichen Nahverkehr und autofreie Zonen. Ob diese Idee in der Praxis funktioniert, ist eine andere Frage. Fakt ist jedoch: Gerade hier versucht Hamburg, auf die klimatischen und sozialen Herausforderungen des 21. Jahrhunderts nicht mit Parolen, sondern mit Quartieren aus Ziegeln und Grün zu antworten.
Städtische Natur am Elbufer: Lohsepark, Sandtorpark, Grasbrookpark
In der HafenCity ist die Natur ein vollwertiger Bestandteil der Stadt. Das Grün beschränkt sich hier nicht auf Bäume entlang des Gehwegs, sondern entfaltet sich in Form von vollwertigen Parks, Plätzen und offenen Flächen für Anwohner und Touristen. Der größte davon ist der Lohsepark. Das sind 4,4 Hektar lebendiger Stadtlandschaft mit weiten Rasenflächen, linearen Alleen und eingestreuten Kunstobjekten. Der Park durchzieht mehrere Quartiere und bewahrt gleichzeitig die Erinnerung: Hier befand sich der Deportationsbahnsteig aus der NS-Zeit – und heute verbindet das Areal Erholung, Geschichte und neue Urbanistik. Auch alte Kräne sind hier zu sehen – früher dienten sie der Entladung von Schiffen, heute sind sie lediglich Dekoration.

Daneben liegen der Sandtorpark und der Grasbrookpark, zwei kleinere, aber nicht weniger belebte Plätze. Im Sandtorpark gibt es Spielzonen, Bänke, Wasser und niedrige Bäume, die im Laufe der Jahre einen natürlichen Rahmen für den Stadtteil bilden sollen. Der Grasbrookpark ist stärker auf Familienerholung ausgerichtet. Dort gibt es aufgeschüttete Hügel, sonnige Plätze und Kinderspielbereiche. Alles – buchstäblich nur wenige Schritte vom Fluss entfernt.
Wichtig ist, dass diese Grünflächen in die dichte städtische Bebauung integriert sind, ohne Zäune oder Barrieren. Hier trennt nichts die Wohnfassaden, Büros, Cafés und Bäume. Es ist, sozusagen, ein nahtloses Gebiet. Die städtische Natur dient hier nicht nur der Ästhetik: Im Sommer kühlt, im Winter speichert Feuchtigkeit und das ganze Jahr über schafft sie Bedingungen für informelle Begegnungen und die Entwicklung der lokalen Ökologie.
Wie die HafenCity sich an den Klimawandel anpasst
Am Wasser zu leben ist schön, aber nicht immer bequem. Die HafenCity liegt buchstäblich nur wenige Meter von der Elbe entfernt. Daher besteht hier sowohl Hochwasser- als auch Sturmflutrisiko. Jegliche klimatische Veränderungen können die Grünflächen beeinflussen. Damit die Stadt nicht weggeschwemmt wird nach jedem Regen, wird im Stadtteil das Warftniveau angewendet – die Anhebung von Gebäuden und Straßen auf eine künstliche Höhe von etwa 7–8 Metern über dem mittleren Elbpegel. Das ist eine Art Deich, nur nicht außen, sondern innen.
Die Entwickler versprechen, dass die HafenCity selbst im Falle eines großen Hochwassers trocken bleiben wird. Dies liegt an der Erhöhung, ja, aber auch an der Entwässerungsinfrastruktur und speziellen Schleusen. Paradoxerweise ist der Stadtteil nicht von Wasser abgeschirmt: im Gegenteil, er ist offen, mit breiten Treppen, Rampen und Terrassen, die direkt zum Ufer führen. Alles – im Namen der „städtischen Nähe zur Natur“.

Neben dem Schutz vor Wasser verfügt der Stadtteil über eine Klima-Belüftung – ein durchdachtes Netz offener Korridore, die die Quartiere durchlüften und verhindern, dass sie überhitzen. Das ist besonders wichtig bei dichter Bebauung. Grünanlagen und offene Wasserflächen sollen nach Plan die Temperatur im Sommer senken. Wie es in der Realität funktioniert, hängt von den Anstrengungen der Ingenieure und davon ab, wie viele Bäume letztendlich das reife Alter erreichen.
Nachhaltigkeitsstandards: Die Zertifizierung Umweltzeichen HafenCity
Die HafenCity hat ihr eigenes ökologisches „Sternchen-System“ – das Zertifikat Umweltzeichen HafenCity. Im Gegensatz zu den üblichen europäischen Standards (wie BREEAM oder LEED) wurde dieses System speziell für die Bedingungen Hamburgs entwickelt. Es wurde bereits 2007 eingeführt und ist seitdem für alle Neubauten im Quartier obligatorisch.
Die Zertifizierung bewertet Energieeffizienz, Materialien, Wassereinsparung, Mobilität und das städtische Umfeld rund um das Gebäude. Um das Zeichen zu erhalten, muss der Bauherr mindestens drei der fünf ökologischen Kategorien erfüllen. Einfach gesagt, ein Gründach oder eine Wärmepumpe sind hier kein Bonus mehr, sondern eine Notwendigkeit.
Dies gilt gleichermaßen für gewerbliche Objekte. Zum Beispiel wirbt das 25hours Hotel Hamburg HafenCity mit seiner „Ökologie“ gerade durch die Einhaltung dieser Anforderungen. Und obwohl nicht alle Touristen wegen der Zertifikate hierherkommen, funktioniert das Marketing: Die HafenCity wird zunehmend als Zone mit einem „grünen“ Image wahrgenommen.

Dazu sagt die HafenCity Hamburg GmbH:
„Mit dem Umweltzeichen HafenCity zertifizierte Gebäude sind Beispiele und Wegbereiter für nachhaltiges Bauen. Sie setzen Standards für die zukunftsfähige Stadtentwicklung.“
Dieses System hebt die HafenCity tatsächlich von anderen Neubauprojekten in Deutschland ab, aber es gibt auch bestimmte Ausnahmen. Einige Objekte bleiben außen vor – entweder aufgrund ihrer Funktion oder wegen Schwierigkeiten bei der Erfüllung der Kriterien.
Kritik und Probleme: Was stimmt nicht mit dem „grünen“ Gesicht der HafenCity
Selbst das beste urbanistische Bild hält nicht immer der Realität stand – und die HafenCity ist da keine Ausnahme. Während Bauträger und Stadtverwaltung von einem „nachhaltigen Vorzeigequartier“ berichten, weisen Experten und Anwohner auf Schwachstellen hin.
Erstens: Das Grün ist zwar vorhanden, aber oft weniger, als es auf Renderings aussieht. Der Lohsepark ist ein hervorragendes Beispiel für eine große Grünfläche, aber weiter entfernt nimmt die Anzahl der Bäume und Pflanzen merklich ab. In dicht bebauten Quartieren wie dem Überseequartier dominieren Stein, Glas und Fliesen – Schatten wird hier schneller von Fassaden als von Bäumen gespendet.

Zweitens: Die HafenCity ist schwer als inklusiv zu bezeichnen. Wohnraum ist teuer, viele Wohnungen werden als Investition und nicht für dauerhaftes Wohnen gekauft. Im Ergebnis wird das „grüne“ Viertel manchmal zur Kulisse für Wohlhabende. Sozialwohnungen sind vorgesehen, aber ihre Anzahl ist gering – und sie sehen nicht immer attraktiv aus im Vergleich zu den glänzenden Neubauten.
Drittens: Ökologie beschränkt sich nicht nur auf Bäume und Solaranlagen. Zum Beispiel bleibt das Problem der Biodiversität in der HafenCity aktuell: Natürliche Lebensräume wurden verändert, und künstliche Anpflanzungen unterstützen nicht immer die lokale Flora und Fauna. Zudem sind Autos noch nicht verschwunden – auch wenn sie unterirdisch versteckt sind, bleibt das Auto hier die Norm und nicht die Ausnahme.
Die Publikation Entwicklungsstadt fasst es ziemlich direkt zusammen:
„Die HafenCity in Hamburg ist ein Beispiel für moderne Stadtplanung, aber in Fragen der Nachhaltigkeit, des Verkehrs und der sozialen Vielfalt gibt es noch viel Unvollendetes.“
Das bedeutet nicht, dass die HafenCity ein Misserfolg ist. Es ist vielmehr ein Arbeitsmodell, das sich noch im Aufbau befindet. Hier gibt es viel zu lernen, aber auch viel zu überdenken. Genauso wie, wenn wir über Persönlichkeiten wie Bernhard Nocht und seine Leistungen in der Tropenmedizin sprechen.
