Das Müllheizkraftwerk MVB in Hamburg

In der großen, touristischen und industriellen Metropole Hamburg war die umweltgerechte Entsorgung von Müll schon immer ein wichtiges Thema. Heute setzt die Stadt auf innovative Konzepte, um Abfall in Energie umzuwandeln und damit den Bürgern einen Mehrwert zu bieten. Ein zentraler Baustein dieser Strategie ist das Müllheizkraftwerk (MHKW) MVB in der Borsigstraße.

Dieses Kraftwerk entsorgt nicht nur Abfälle, sondern wandelt sie in wertvolle Wärme und Elektrizität um. Damit spielt es eine entscheidende Rolle für die Energiestrategie Hamburgs, insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit und die Reduzierung von CO2-Emissionen. Mehr dazu bei hamburgname.

Eine Geschichte der Abfallentsorgung

Vor dem Jahr 1507 wurde Müll in Hamburg einfach vor den Häusern abgeladen, wo er sich stapelte und vor sich hin faulte. Als die Stadt von der Pest heimgesucht wurde, erkannte Johannes Beckel in seiner „Pestordnung für Hamburg“ einen möglichen Zusammenhang zwischen der Epidemie und der mangelhaften Hygiene in den Straßen. Diese Anordnung inspirierte auch andere Städte zu mehr Sauberkeit.

Im Jahr 1560 wurde die erste „Reinlichkeitsverordnung“ erlassen, die vorschrieb, dass Plätze und Geschäftsstraßen viermal jährlich auf Kosten der Allgemeinheit gereinigt werden mussten. 1611 gründete der Hamburger Stadtrat die „Gassendeputation“, die für die Reinhaltung der Gassen zuständig war.

Die nächste große Cholera-Epidemie ereignete sich 1892, nachdem die damaligen Abfallabnehmer die Entsorgung des Hamburger Mülls verweigert hatten. Ein Jahr später beschloss die Baukommission den Bau eines Müllverbrennungsofens nach englischem Vorbild. Der erste Ofen dieser Art war bereits 1870 in Londoner Stadtteil Paddington errichtet worden. In Hamburg begann man mit dem Probebetrieb einer Müllverbrennungsanlage am Bullerdeich. Im Jahr 1896 nahm die MVA Bullerdeich mit 36 Ofenkammern den regulären Betrieb auf.

1931 wurde das MVA in der Borsigstraße in Betrieb genommen und ersetzte die alte Anlage am Bullerdeich, Hamburgs erste Müllverbrennungsanlage. Zu dieser Zeit war dies eine revolutionäre Lösung für die Abfallentsorgung einer Industriestadt. 1972 wurde die Anlage um eine spezielle Verbrennungslinie für Sonderabfälle erweitert, die besondere Technologien für die Verbrennung und Rauchgasreinigung erforderte. 1994 wurde das „Müllverwertungsanlage“ in der Borsigstraße in vollem Umfang in Betrieb genommen und markierte damit einen ersten Schritt weg von der Deponierung von Abfällen.

Technologie und Kapazitäten

Das Müllheizkraftwerk in der Borsigstraße ist eine hochmoderne Anlage und spielt eine wichtige Rolle in der Abfallwirtschaft. Es liegt im Osten Hamburgs, im Industriegebiet Hamburg-Billbrook. Im Dezember 2014 wurde die Anlage von der Stadtreinigung Hamburg (SRH) gekauft, dem kommunalen Unternehmen, das für die Abfallentsorgung und -verwertung der Stadt zuständig ist.

Das Kraftwerk verfügt über zwei Linien zur Verbrennung von Hausmüll und eine dritte Linie für die thermische Verwertung von Holzabfällen. Die bei der Müllverbrennung erzeugte Energie wird zur Produktion von Fernwärme genutzt, während die Verbrennung von Holzabfällen Strom erzeugt. Die ersten beiden Linien arbeiten mit Rostfeuerung und verbrennen etwa 21,5 Tonnen Abfall pro Stunde. Die dritte Linie hat eine Kapazität von circa 20 Tonnen Holzabfällen pro Stunde und nutzt die Wirbelschicht-Technologie. Insgesamt werden hier jährlich über 320.000 Tonnen Hausmüll und rund 160.000 Tonnen Holzabfälle verwertet.

Die bei der thermischen Verwertung freigesetzte Energie wird zur Dampferzeugung genutzt, um Wärme und Strom zu gewinnen. Jede Verbrennungslinie hat eine thermische Leistung von 53 MW. Der erzeugte Dampf (72 Tonnen pro Stunde) wird teilweise vor Ort zur Stromproduktion genutzt, der Rest fließt in das Fernwärmenetz des benachbarten Heizkraftwerks Tiefstack.

Eine wichtige Innovation am Standort ist die seit 2024 installierte Absorptionswärmepumpe, die ohne zusätzliche Verbrennung Wärme aus dem Rauchgas extrahiert. Dadurch werden jährlich 350.000 MWh zusätzlich gewonnen, was 35.000 Haushalte versorgen kann. Für dieses Projekt erhielt die MVB 2021 den „German Renewables Award“. Seit dem 1. August 2025 ist die MVB GmbH mit dem Zentrum für Ressourcen und Energie (ZRE) GmbH fusioniert.

Umweltschutz und Bildungsarbeit

Das Kraftwerk gilt als Vorbild in Sachen Umweltschutz. Sämtliche Materialien, Nebenprodukte und Abfälle werden fachgerecht gelagert. Die MVB-Anlagen werden unter strengsten Sicherheitsvorkehrungen betrieben. Dazu gehören Brandmeldeanlagen, Gaswarnsysteme und Löschmittel. Das Personal ist für den Notfall geschult und kann bei Betriebsstörungen korrekt reagieren. Regelmäßige Schulungen stellen sicher, dass die Mitarbeiter jederzeit aufmerksam und in der Lage sind, Gefahrensituationen zu verhindern.

Die Anlage ist zudem für Besucher geöffnet. Bei individuellen oder Gruppenführungen erfahren Interessierte, was mit dem Müll aus dem schwarzen Abfallbehälter passiert, welche Abfälle verbrannt und welche recycelt werden. Die Besucher lernen die Geschichte des Hamburger Kraftwerks kennen und bekommen einen Einblick in die Technologien und Zukunftspläne im Bereich der Abfallverwertung, mit besonderem Fokus auf Nachhaltigkeit.

Kurzum, das MVB in der Borsigstraße ist weit mehr als nur ein Müllheizkraftwerk. Es ist ein komplexes System, das die Abfallentsorgung mit der Produktion von Wärme und Strom sowie sozialer Verantwortung verbindet. Die Stadt wird nicht nur sauberer, sondern verwandelt ein Problem in eine zukunftsweisende Lösung.

Quellen:

Get in Touch

....... . Copyright © Partial use of materials is allowed in the presence of a hyperlink to us.