Hamburgs Bauernhöfe: Wo Tradition auf Moderne trifft

Hamburg wird von Touristen oft mit Hafen und Handel gleichgesetzt. Doch nur wenige wissen, dass die Metropole auch eine reiche landwirtschaftliche Tradition hat. Die Landwirtschaft ist ein wichtiger Teil des kulturellen Erbes der Stadt und verbindet alte ländliche Bräuche mit modernen Methoden.

In den Stadtteilen Vier- und Marschlande sowie Bergedorf haben sich über 40 Bauernhöfe erhalten. Dort werden Tiere gehalten und gezüchtet, Gemüse angebaut und der Öko-Tourismus gefördert. Die Höfe bieten Stadtbewohnern nicht nur die Möglichkeit, frische Produkte zu kaufen, sondern auch eine willkommene Auszeit vom hektischen Großstadtleben. Mehr dazu auf hamburgname.

Ein Blick in die Vergangenheit

Die Geschichte der Hamburger Landwirtschaft reicht bis ins Mittelalter zurück, als die Gebiete noch rein ländlich geprägt waren. Im 19. Jahrhundert war das bäuerliche Leben hart: Die Arbeit auf den Feldern und im Haus war allgegenwärtig. Frauen mussten bei jedem Wetter draußen abwaschen. Während der Erntezeit arbeiteten die Bauern von vier Uhr morgens bis zehn Uhr abends. Im Herbst verkürzten sich die Arbeitszeiten. Angebaut wurden Kohl, Karotten und Äpfel, und die Gärten waren entsprechend groß. Historische Texte belegen, dass reiche Bauern sogar Mägde und Dienstboten hatten.

Waren wie Geflügel, Fleisch und Eier wurden im Zentrum von Hamburg verkauft, während Gemüse, Blumen und Erdbeeren aus den Vierlanden stammten. Einige Höfe, wie das Gut Wulfsdorf, existieren seit dem 19. Jahrhundert, in ihrer heutigen Form seit den 1920er Jahren. Im Museumsdorf Volksdorf kann man heute das Leben und Arbeiten in Hamburger Walddörfern zwischen 1850 und 1950 nacherleben. Dort gibt es nicht nur Gemüsegärten, sondern man kann auch Pferde und andere Tiere füttern. Es ist bemerkenswert, dass die Hamburger während des Zweiten Weltkriegs dank dieser Bauern überlebten und sich auch später an die Urbanisierung anpassen konnten. Viele Höfe sind heute Museen oder Umweltzentren, wie das 1914 für eine Ausstellung gebaute Bauernhaus in Altona.

Trotz der enormen Ausdehnung Hamburgs haben sich viele landwirtschaftliche Betriebe im Stadtgebiet erhalten. Sie umfassen heute mehr als 22.000 Hektar und machen Hamburg zu einem der größten Agrarzentren Deutschlands. Aus den Vier- und Marschlanden werden Gemüse und Blumen auf die Hamburger Märkte geliefert, aus dem Alten Land kommen Früchte wie Kirschen und Äpfel. In Kirchwerder und Ochsenwerder gibt es traditionelle Bauernhöfe, die Landwirtschaft mit Agrotourismus verbinden. Moderne Höfe beschränken sich nicht mehr nur auf den Anbau von Obst und Gemüse, sondern setzen auf Bio-Landwirtschaft, Umweltprojekte und Bildungsinitiativen.

Abenteuer Bauernhof

Der Erlebnisbauernhof „Abenteuer Bauernhof“ bei Hamburg bietet lehrreiche Ausflüge für Kindergärten und Schulen an. Seit über 20 Jahren zeigen der junge Landwirt Georg und seine Familie den Kindern das Leben und die Arbeit auf dem Hof. In den Workshops lernen die Teilnehmer etwas über Landwirtschaft, die Pflege von Tieren und Nutzpflanzen und backen ihr eigenes Brot.

Der Hof wird konventionell bewirtschaftet, ist aber sehr nachhaltig ausgerichtet. Zum Beispiel wird die Milch direkt auf dem Hof verarbeitet und nicht an eine Molkerei geliefert. Das Heu wird noch auf traditionelle Weise mit Erntewagen eingebracht, und die Grassilageballen entstehen im Herbst beim dritten Schnitt. Stärkehaltige Produkte wie Soja werden gar nicht verwendet, die Tiere fressen stattdessen das hofeigene Getreide.

Jahrzehntelang wurde auf dem Hof die Fleckvieh-Rasse gehalten, bis der Besitzer sich 2015 seinen Traum erfüllte und das erste Kalb der Original Braunvieh-Rasse kaufte. Heute besteht die Herde aus 20 Milchkühen, die jeweils 5.500 Liter Milch pro Jahr geben. Die Jungtiere werden zur Zucht verwendet. Außerdem leben auf dem Hof Schweine, Ziegen, Schafe, Kaninchen und viele andere Tiere. Für Kindergeburtstage gibt es einen Streichelzoo, einen Spielplatz und viele Unterhaltungsmöglichkeiten. Im Hofladen können Besucher Bio-Milch, Butter, Käse, Brot und diverse Backwaren kaufen.

Gut Wulksfelde

Nördlich von Hamburg liegt das Gut Wulksfelde, ein Biohof, der sich auf die Produktion von Milch, Käse, Butter, Gemüse, Kartoffeln, Erdbeeren, Getreide, Heidelbeeren und Tierfutter spezialisiert hat. Seit 1989 wird hier biologisch angebaut. Der Boden wird sorgfältig gepflegt und bekommt Zeit zum Regenerieren, damit die Pflanzen gesund wachsen können. Auch die Tiere – Kühe, Schweine, Ziegen und Hühner – werden artgerecht gehalten und gut gefüttert.

Für Kinder gibt es auf dem Gelände viel zu entdecken: einen Streichelzoo, Kletterparcours und Wasserspiele. Das Gut veranstaltet verschiedene Angebote für Vorschul- und Schulkinder sowie Feriencamps und Weiterbildungen für Pädagogen. Die Kinder erkunden den Hof, lernen den Umgang mit Tieren und backen Brot. Die Angebote werden je nach Alter der Teilnehmer und Jahreszeit angepasst. Das Gut Wulksfelde ist ein Paradebeispiel für einen Hamburger Bauernhof, der Bildung, Produktion und Tourismus miteinander verbindet. Hier tauchen Kinder und Erwachsene in die Natur zwischen Tieren und prachtvollen Gärten ein.

Alpakahof Waytalla

Der Alpakahof Waytalla in der Nähe von Hamburg züchtet seit 2008 Alpakas. Besucher können an Gruppen- oder Einzelführungen teilnehmen und handgefertigte Produkte aus dem feinsten Alpakafaser kaufen. Neben den Führungen kann man auf dem Gelände auch barfuß spazieren und sogar Alpaka-Golf spielen. Ein Highlight sind die Alpaka-Wanderungen, bei denen ein Guide alles Wissenswerte über die Tiere, ihre Ernährung und Lebensweise erzählt. Ab Frühjahr 2024 können hier wieder Kindergeburtstage gefeiert werden. Auf dem Programm stehen Rätsel, Spiele, eine kleine Feier und ein Bastelworkshop, bei dem die Kinder ein Alpaka-Spielzeug herstellen. Der Guide führt die Gruppe über den Hof, beantwortet Fragen und erlaubt sogar das Streicheln der Alpakas.

Wer nicht wandern möchte, kann das Angebot „Alpaka Meet & Greet“ nutzen. Hier kann man die Nähe der Alpakas genießen, Fotos machen, Fragen stellen und die Tiere streicheln.

Im Hofladen gibt es eine große Auswahl an Produkten: Schals, Pullover, Mützen, Stofftiere, Socken, Pelzschuhe, Decken und Wolle zum Spinnen. Für die Produkte wird ausschließlich die feinste Baby-Alpakawolle verwendet, die einen hohen Tragekomfort garantiert. So nehmen Besucher ein Stück vom Hof mit nach Hause.

Hof Eggers

Nur wenige Kilometer vom Hamburger Zentrum entfernt liegt der Bio-Hof Hof Eggers, eine echte Perle der Stadt. Neben der ökologischen Landwirtschaft leben hier Kühe, Ponys, Schafe, Schweine, Gänse, Hühner, Hunde und Katzen. Seit 2019 ist der Hof eine „Bioland“-Gärtnerei in Hamburg-Spadenland. Hier werden Kräuter und Gemüse angebaut, die im hofeigenen Café verarbeitet werden. Die Bio-Produkte kann man im Café oder in speziellen Bioläden kaufen.

Der Hof Eggers bietet auch die Möglichkeit, Hochzeiten, Firmenfeiern, Jubiläen, Kindergeburtstage, Seminare oder Weihnachtsfeiern zu veranstalten. Man kann sogar in den Apartments übernachten und die Ruhe genießen, weit weg vom hektischen Stadtleben.

Es ist unmöglich, alle Bauernhöfe in und um Hamburg zu beschreiben, aber hier treffen Tradition und Innovation aufeinander. Obwohl die Höfe mit Problemen wie Verfall, Überschwemmungen und dem Druck von Bauunternehmen zu kämpfen haben, gibt es auch positive Entwicklungen: Die Nachfrage nach Bio-Produkten steigt, der Tourismus und der Direktvertrieb wachsen. Die Höfe erinnern uns daran, dass selbst in einer Metropole Platz für die Natur ist.

Verwendete Quellen:

Get in Touch

....... . Copyright © Partial use of materials is allowed in the presence of a hyperlink to us.