Hamburg, eine Stadt mit einer langen Geschichte, wurde über Jahrhunderte hinweg aufgebaut, zerstört und wieder aufgebaut. Viele Jahrhunderte lang hatte die Hansestadt kaum Zugang zu sauberem Wasser. Die Bewohner deckten ihren Wasserbedarf, indem sie Wasser aus den Flüssen Alster und Elbe entnahmen. Dieses Wasser wurde zum Kochen, Waschen, Baden und Reinigen verwendet, weshalb die Notwendigkeit entstand, ein Wasserversorgungssystem und eine Kanalisation in der Stadt zu entwickeln. Mehr dazu auf hamburgname.eu.
Die Geschichte der hölzernen Rohrleitungen
Früher, als es keine zentralisierte Wasserversorgung und Kanalisation gab, hatten es die Hamburger Bürger schwer. Wohlhabende Menschen hatten eigene Brunnen, und Wasser wurde an speziellen Stellen verkauft. Die Bewohner mussten sich organisieren, um Handwerker zu finden, die hölzerne Rohrleitungen zu den Flüssen außerhalb der Stadt verlegten.
Im 16. Jahrhundert wurden die ersten wasserbaulichen Anlagen am Fluss Binnenalster errichtet. Wasserturbinen pumpten Wasser in Behälter, die auf den Dachböden von Häusern installiert waren. Von dort wurde das Wasser über primitive Rohrleitungen in die Nachbarhäuser verteilt. Die Wasserqualität war jedoch schlecht, da Abfälle aller Art in die Alster geworfen wurden. Fabriken und Betriebe leiteten ihre Abwässer ebenfalls in den Fluss, darunter Schadstoffe wie Arsen, Blei und verschiedene Gifte.
Gleichzeitig gab es in Hamburg viel Müll, und die Straßen waren von einem unerträglichen Gestank durch Abfälle und Fäkalien erfüllt.
Die Einführung moderner Kanalisation
Im Mai 1842 zerstörte ein verheerender Brand fast alle Gebäude der Stadt. Beim Wiederaufbau Hamburgs wurde der Fokus auf die Schaffung einer zentralisierten Wasserversorgung und Kanalisation gelegt. William Lindley, ein britischer Ingenieur, der bereits als Spezialist für die Bergedorfer Eisenbahn bekannt war, entwickelte für Hamburg das erste moderne Abwassersystem Europas, das sogenannte „Sielnetz“. Über mehrere Jahre hinweg wurden unterirdische Kanäle aus Ziegelsteinen gebaut, die teilweise so groß waren, dass sie mit Booten befahrbar waren.

Lindleys Wasserversorgungssystem
William Lindley überzeugte die Verantwortlichen, Elb- statt Alsterwasser für die Stadtversorgung zu nutzen. Er plante den Bau von vier Becken, in denen sich Schmutz und Salz absetzen sollten. Das gereinigte Wasser wurde dann über gusseiserne Rohrleitungen in die Stadt gepumpt. Ein 67 Meter hoher Turm diente zur Druckregulierung und ist heute ein Wahrzeichen von Rothenburgsort. Ein Reiseführer von 1861 beschreibt den Turm als eine Sehenswürdigkeit der Stadt. Touristen besuchen oft Rothenburgsort, besteigen den Turm und machen Picknicks im dekorativen Garten am Fuße des Turms. Einige fahren sogar mit Booten über die Absetzbecken.
Innerhalb weniger Jahre entstand unter der Erde ein verzweigtes Kanalsystem mit einer Länge von mehreren Meilen. Diese Investitionen verbesserten die Lebensqualität der Hamburger erheblich. Teile von William Lindleys Werk werden noch immer genutzt, jedoch sind viele Konstruktionen veraltet und bedürfen einer Modernisierung, um den steigenden Anforderungen der wachsenden Bevölkerung und des Tourismus gerecht zu werden.
Ein Blick in die Kanalisation
Neue Kanalisationsrohre werden mit speziellen Wagen durch das Kanalsystem der Stadt transportiert und dort installiert, wo sie benötigt werden. Der Raum zwischen den Ziegeln und den neuen Kunststoffrohren wird mit einer Lösung aufgefüllt. Dieses Verfahren ist kostspielig, da für jeden sanierten Kilometer Kosten von 2 bis 3 Millionen Euro anfallen.
Um die Bevölkerung zu informieren, woher das Wasser kommt und wie die Abwässer entsorgt werden, finden verschiedene Veranstaltungen statt. Interessierte haben die Möglichkeit, in die Kanalisation hinabzusteigen und mehr über deren Geschichte zu erfahren.
